Peak Shaving (Lastspitzenkappung) senkt die höchste Bezugsleistung eines Betriebs, indem ein Batteriespeicher bei drohenden Lastspitzen entlädt. Massgebend ist der höchste 15-Minuten-Mittelwert des Monats, den der Netzbetreiber über die Lastgangmessung erfasst und mit dem Leistungspreis abrechnet: 2026 im Median CHF 108 pro kW und Jahr für einen 400-kW-Betrieb (ElCom-Tarifdaten). Für Betriebe mit 300 kW Spitzenlast und mehr modelliert Ampere Dynamic aus Lastganganalysen Einsparungen von CHF 15'000 bis 40'000 pro Jahr.
Das Wichtigste in Kürze
8 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
8 Min. Lesezeit- Spitze statt VerbrauchPeak Shaving senkt nicht den Stromverbrauch, sondern den höchsten 15-Minuten-Mittelwert des Monats, die Bemessungsgrösse des Leistungspreises.
- CHF 108 pro kW und JahrSo viel kostet 2026 die beanspruchte Netzleistung im Median für einen 400-kW-Betrieb (ElCom-Tarifdaten, Profil C6). Die Spannweite reicht von CHF 27 bis 245 pro kW und Jahr.
- CHF 15'000 bis 40'000 pro JahrModellierte Einsparung für Betriebe ab 300 kW Spitzenlast, aus Lastganganalysen von Ampere Dynamic. Ohne Lastgang bleibt jede Zahl eine Schätzung.
- Nicht für jeden BetriebFlache Lastprofile, Netzbetreiber ohne separaten Leistungspreis und Spitzen von mehreren Stunden Dauer machen Peak Shaving unwirtschaftlich.
Für Schweizer Industrie- und Gewerbebetriebe ist der Leistungspreis der am wenigsten beachtete Posten der Stromrechnung. Der Arbeitspreis pro Kilowattstunde steht auf jeder Offerte, der Leistungspreis in CHF pro Kilowatt wird von einem einzigen Viertelstundenwert im Monat bestimmt. Ein Produktionsstart am Montagmorgen, ein Kompressor, drei gleichzeitig ladende Lastwagen: Wer die Spitze nicht steuert, zahlt sie zwölfmal im Jahr. Peak Shaving mit einem Batteriespeicher steuert sie.
Was ist Peak Shaving?
Peak Shaving, auf Deutsch Lastspitzenkappung, ist das gezielte Senken der höchsten Bezugsleistung eines Betriebs aus dem Netz. Der Energieverbrauch bleibt unverändert; verändert wird die Verteilung über die Zeit.
Der Mechanismus hat drei Teile. Ein Energiemanagementsystem (EMS) misst den Netzbezug in Echtzeit und vergleicht ihn mit einem Zielwert, dem Peak-Shaving-Setpoint. Zeichnet sich ab, dass der laufende 15-Minuten-Mittelwert den Zielwert überschreitet, entlädt der Batteriespeicher ins Betriebsnetz und senkt den Bezug aus dem Verteilnetz. Nach der Spitze lädt das EMS den Speicher wieder, bevorzugt aus PV-Überschuss oder in Schwachlastphasen, damit er für den nächsten Peak bereitsteht.
Zwei Grössen entscheiden über die Auslegung: die Leistung des Speichers in kW bestimmt, wie viel Spitze er abfangen kann, die Kapazität in kWh bestimmt, wie lange. Eine Spitze von 100 kW über 45 Minuten braucht 75 kWh nutzbare Energie, und der Speicher muss diese Energie bis zur nächsten Spitze wieder geladen haben.
Wie misst der Netzbetreiber die Leistungsspitze?
Grundlage ist die Lastgangmessung nach Art. 8 der Stromversorgungsverordnung (StromVV). Betriebe mit Leistungsmessung erhalten vom Netzbetreiber ihren Lastgang in 15-Minuten-Mittelwerten; das Datenformat und die Messregeln legt der Metering Code Schweiz des VSE fest. Der Leistungspreis wird bei den meisten Verteilnetzbetreibern auf den höchsten dieser Viertelstundenwerte im Monat erhoben, bei einigen auf den Jahreshöchstwert.
Was die Leistung kostet, zeigt die Auswertung der ElCom-Tarifrohdaten 2026 durch Ampere Dynamic: Für das ElCom-Standardprofil C6 (400 kW, 1.5 GWh pro Jahr, Mittelspannung) liegt der Leistungspreis der Netznutzung im Median bei CHF 108 pro kW und Jahr, die mittlere Hälfte der Netzbetreiber zwischen CHF 88 und 127, die Extreme bei CHF 27 und 245 (Leistungspreis-Vergleich 2026, Datenbasis ElCom Strompreis-Übersicht). Ein Betrieb mit 400 kW Spitzenlast zahlt beim Median allein für die Leistungskomponente rund CHF 43’000 pro Jahr.
Wie viel spart Peak Shaving?
Die Einsparung ist das Produkt aus gekappter Spitze in kW und Leistungspreis in CHF pro kW. Beide Faktoren sind betriebsspezifisch, und nur der zweite steht auf dem Tarifblatt.
Die Rechnung für einen typischen Fall: Ein Betrieb bezieht im Monatsmaximum 400 kW, seine Grundlast liegt bei 250 kW. Ein Speicher, der die Spitze dauerhaft auf 300 kW begrenzt, kappt 100 kW. Beim Median-Leistungspreis von CHF 108 pro kW und Jahr sind das CHF 10’800 pro Jahr, beim oberen Quartil von CHF 127 rund CHF 12’700. Die Bandbreite von CHF 15’000 bis 40’000, die Ampere Dynamic für Betriebe ab 300 kW Spitzenlast modelliert, setzt entsprechend grössere oder häufigere Spitzen voraus; sie stammt aus eigenen Lastganganalysen, nicht aus einer externen Statistik.
Dass der Leistungstarif den Business Case dominiert, bestätigt die Studie Peak-Shaving mit Photovoltaik und Batterie der Hochschule für Technik FHNW im Auftrag des Kantons Aargau (Roth und Cavalloni, 2022). Sie hat acht Aargauer Industrieunternehmen simuliert und hält fest: Je höher der Leistungstarif, desto lohnender das Peak Shaving, und je grösser das Verhältnis von Spitze zu Grundlast, desto mehr Spitze kappt jede Kilowattstunde Speicherkapazität. Die Studie zeigt auch, warum die PV-Anlage allein nicht reicht: In fast jedem Monat gibt es einen stark bewölkten Tag, an dem die Anlage die Spitze nicht abfängt. Erst die Batterie macht die Reduktion planbar.
Wann lohnt sich Peak Shaving nicht?
Peak Shaving ist ein Tarifgeschäft. Fehlt eine der drei Voraussetzungen, bleibt der Speicher ein teurer Eigenverbrauchsoptimierer.
- Kein separater Leistungspreis. Rund ein Zwanzigstel der Schweizer Netzbetreiber rechnet die Leistung in den Arbeitspreis ein oder verlangt unter CHF 5 pro kW und Jahr (Auswertung der ElCom-Daten 2026). Dort gibt es nichts zu kappen.
- Flaches Lastprofil. Liegt die Monatsspitze nur 10 bis 15 Prozent über der Grundlast, ist die kappbare Leistung klein. Ein Dreischichtbetrieb mit konstanter Last spart mit Peak Shaving weniger als mit einer besseren Tarifwahl.
- Lange Spitzen. Dauert die Spitze drei Stunden statt dreissig Minuten, braucht der Speicher die sechsfache Kapazität. Ab einem gewissen Verhältnis ist die Verschiebung der Last, etwa ein gestaffelter Anlauf der Kompressoren, die wirtschaftlichere Massnahme.
Speicher, die nur für Peak Shaving ausgelegt sind, stehen den grössten Teil des Monats ungenutzt. Das ist der Grund, weshalb Ampere Dynamic Gewerbespeicher grundsätzlich für mehrere Anwendungen auslegt; die Erlösquellen erklärt der Leitfaden Gewerbespeicher Schweiz. Wie stark der Markt wächst, dokumentiert der Batteriemonitor Schweiz 2026 von Swissolar: Die hinter dem Netzanschluss installierte Speicherkapazität soll von 1.5 GWh Ende 2025 auf 2.5 GWh Ende 2026 steigen.
Peak Shaving in der Praxis: Kuny AG
Die Kuny AG in Küttigen AG stellt Textilbänder her und betreibt seit Dezember 2022 eine 633-kWp-Photovoltaikanlage von Ampere Dynamic. 2026 kommt ein Outdoor-Batteriespeicher mit 250 kW Leistung und 522 kWh Kapazität hinzu, ausgelegt primär für Peak Shaving und Eigenverbrauchsoptimierung (Projektdaten Ampere Dynamic).
Die 250 kW Entladeleistung sind die Obergrenze dessen, was der Speicher aus einer Spitze nehmen kann; die 522 kWh reichen für rund zwei Stunden Volllast. Das EMS überwacht den Netzbezug der Produktion im 15-Minuten-Raster und entlädt vor allem beim Produktionsstart am Morgen und beim gleichzeitigen Anlauf mehrerer energieintensiver Anlagen. Tagsüber deckt die PV-Anlage den Grossteil der Betriebslast und lädt den Speicher nach. In Zeitfenstern mit freier Anschlusskapazität stellt der Speicher zusätzlich Systemdienstleistungen für Swissgrid bereit. Die Projektrechnung weist eine Amortisationsdauer von rund fünf Jahren aus; die im Betrieb gemessene Spitzenreduktion in kW ist Monitoringdatum des Kunden und wird hier nicht veröffentlicht.
So planen Sie Ihre Peak-Shaving-Lösung
Ampere Dynamic plant Peak-Shaving-Lösungen in vier Schritten, vom Lastgang bis zum laufenden Betrieb.
Von der Analyse zur laufenden Anlage
Lastganganalyse und Peak-Shaving-Potenzial
Wir werten Ihren Lastgang der letzten 12 Monate im 15-Minuten-Raster aus, identifizieren die massgebenden Spitzen je Monat und rechnen das Potenzial mit dem Tarifblatt Ihres Netzbetreibers in CHF pro Jahr. Ergebnis in 4 bis 6 Wochen.
Speicherdimensionierung und EMS-Auslegung
Aus Höhe und Dauer der Spitzen folgen Leistung (kW) und Kapazität (kWh) des Speichers. Das EMS wird auf das Messfenster und den Abrechnungsmodus Ihres Netzbetreibers kalibriert, monatlich oder jährlich.
Installation und Inbetriebnahme
Schlüsselfertige Installation ohne Betriebsunterbruch, inklusive EMS-Konfiguration, Anmeldung beim Netzbetreiber und Einweisung des Betriebspersonals.
Monitoring und Nachjustierung
Nach Inbetriebnahme vergleichen wir die gemessene Monatsspitze mit dem Zielwert und justieren Setpoint und Ladestrategie. Die monatliche Auswertung zeigt die erreichte Leistungspreis-Reduktion in CHF.
Peak Shaving ist meist die schnellste Amortisationsquelle eines Gewerbespeichers, aber selten die einzige. Wie sich Eigenverbrauch, Flottenladen und Regelleistung im selben Speicher kombinieren lassen, zeigt der Artikel Regelenergie mit Batteriespeichern; die Wahl des Speichers selbst behandelt Batteriespeicher-Anbieter Schweiz.