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Peak Shaving mit Batteriespeicher: Leistungsspitzen im Gewerbe kappen

Peak Shaving erklärt: Wie ein Batteriespeicher den höchsten 15-Minuten-Mittelwert senkt, was der Leistungspreis 2026 kostet (ElCom-Daten) und wann sich Lastspitzenkappung nicht lohnt.

Speicher & EMS Aktualisiert: Von Alexander Brendlin, Mitgründer & Geschäftsleitung 8 Min. Lesezeit

Peak Shaving (Lastspitzenkappung) senkt die höchste Bezugsleistung eines Betriebs, indem ein Batteriespeicher bei drohenden Lastspitzen entlädt. Massgebend ist der höchste 15-Minuten-Mittelwert, je nach Netzbetreiber des Monats (EKZ, CKW, AEW, BKW) oder des Jahres (SIG), abgerechnet mit dem Leistungspreis: 2026 im Median CHF 108 pro kW und Jahr für einen 400-kW-Betrieb (ElCom-Tarifdaten). Jedes dauerhaft gekappte Kilowatt spart diesen Betrag: 100 kW weniger Spitze sind beim Median rund CHF 10'800 pro Jahr.

Das Wichtigste in Kürze

8 Min. Lesezeit
  1. Spitze statt VerbrauchPeak Shaving senkt nicht den Stromverbrauch, sondern den höchsten 15-Minuten-Mittelwert, die Bemessungsgrösse des Leistungspreises. Je nach Netzbetreiber zählt der Wert des Monats oder des Jahres.
  2. CHF 108 pro kW und JahrSo viel kostet 2026 die beanspruchte Netzleistung im Median für einen 400-kW-Betrieb (ElCom-Tarifdaten, Profil C6). Die Spannweite reicht von CHF 27 bis 245 pro kW und Jahr.
  3. CHF 10'800 pro 100 kWSo viel spart ein Betrieb im Jahr, der seine Spitze in jedem Monat um 100 kW senkt, beim Median-Leistungspreis 2026. Wie viel Spitze kappbar ist, zeigt der Lastgang.
  4. Nicht für jeden BetriebFlache Lastprofile, Netzbetreiber ohne separaten Leistungspreis und Spitzen von mehreren Stunden Dauer machen Peak Shaving unwirtschaftlich.

Für Schweizer Industrie- und Gewerbebetriebe ist der Leistungspreis der am wenigsten beachtete Posten der Stromrechnung. Der Arbeitspreis pro Kilowattstunde steht auf jeder Offerte, der Leistungspreis in CHF pro Kilowatt wird von einem einzigen Viertelstundenwert bestimmt. Ein Produktionsstart am Montagmorgen, ein Kompressor, drei gleichzeitig ladende Lastwagen: Wer die Spitze nicht steuert, bezahlt sie ein ganzes Jahr, je nach Netzbetreiber jeden Monat neu oder als Jahreshöchstwert für alle zwölf Monate. Peak Shaving mit einem Batteriespeicher steuert sie.

Was ist Peak Shaving?

Peak Shaving, auf Deutsch Lastspitzenkappung, ist das gezielte Senken der höchsten Bezugsleistung eines Betriebs aus dem Netz. Der Energieverbrauch bleibt unverändert; verändert wird die Verteilung über die Zeit.

Der Mechanismus hat drei Teile. Ein Energiemanagementsystem (EMS) misst den Netzbezug in Echtzeit und vergleicht ihn mit einem Zielwert, dem Peak-Shaving-Setpoint. Zeichnet sich ab, dass der laufende 15-Minuten-Mittelwert den Zielwert überschreitet, entlädt der Batteriespeicher ins Betriebsnetz und senkt den Bezug aus dem Verteilnetz. Nach der Spitze lädt das EMS den Speicher wieder, bevorzugt aus PV-Überschuss oder in Schwachlastphasen, damit er für den nächsten Peak bereitsteht.

Zwei Grössen entscheiden über die Auslegung: die Leistung des Speichers in kW bestimmt, wie viel Spitze er abfangen kann, die Kapazität in kWh bestimmt, wie lange. Eine Spitze von 100 kW über 45 Minuten braucht 75 kWh nutzbare Energie, und der Speicher muss diese Energie bis zur nächsten Spitze wieder geladen haben.

Wie misst der Netzbetreiber die Leistungsspitze?

Grundlage ist die Lastgangmessung nach Art. 8 der Stromversorgungsverordnung (StromVV). Betriebe mit Leistungsmessung erhalten vom Netzbetreiber ihren Lastgang in 15-Minuten-Mittelwerten; das Datenformat und die Messregeln legt der Metering Code Schweiz des VSE fest. Der Leistungspreis wird auf den höchsten dieser Viertelstundenwerte erhoben, je nach Netzbetreiber monatlich oder als Jahreshöchstwert. Die Tarifblätter 2026 zeigen beides: EKZ, CKW, AEW, BKW und SAK verrechnen den Monatshöchstwert (BKW, Netznutzung Gross- und Industriekunden 2026), SIG in Genf die «puissance maximale annuelle» (SIG Tarifs 2026).

Was die Leistung kostet, zeigt die Auswertung der ElCom-Tarifrohdaten 2026 durch Ampere Dynamic: Für das ElCom-Standardprofil C6 (400 kW, 1.5 GWh pro Jahr, Mittelspannung) liegt der Leistungspreis der Netznutzung im Median bei CHF 108 pro kW und Jahr, die mittlere Hälfte der Netzbetreiber zwischen CHF 88 und 127, die Extreme bei CHF 27 und 245 (Leistungspreis-Vergleich 2026, Datenbasis ElCom Strompreis-Übersicht). Ein Betrieb mit 400 kW Spitzenlast zahlt beim Median allein für die Leistungskomponente rund CHF 43’000 pro Jahr.

Wie viel spart Peak Shaving?

Die Einsparung ist das Produkt aus gekappter Spitze in kW und Leistungspreis in CHF pro kW. Beide Faktoren sind betriebsspezifisch, und nur der zweite steht auf dem Tarifblatt.

108 CHF/kW/Jahr —
Median-Leistungspreis 2026 für einen 400-kW-Betrieb (ElCom-Tarifdaten, Profil C6, Auswertung Ampere Dynamic)
88-127 CHF/kW/Jahr —
Leistungspreis der mittleren Hälfte der Netzbetreiber 2026 (ElCom, Profil C6); so viel spart jedes dauerhaft gekappte kW
250 kW —
Entladeleistung des Speichers bei Kuny AG (522 kWh), Obergrenze der dort kappbaren Spitze

Die Rechnung für einen typischen Fall: Ein Betrieb bezieht im Monatsmaximum 400 kW, seine Grundlast liegt bei 250 kW. Ein Speicher, der die Spitze dauerhaft auf 300 kW begrenzt, kappt 100 kW. Beim Median-Leistungspreis von CHF 108 pro kW und Jahr sind das CHF 10’800 pro Jahr, beim oberen Quartil von CHF 127 rund CHF 12’700.

Für die Einsparung zählt, wie hoch die Spitze ist, nicht wie oft sie auftritt. Die Einsparung gilt nur in Monaten, in denen der Speicher jede Spitze abfängt. Rechnet der Netzbetreiber auf den Jahreshöchstwert ab, entscheidet eine einzige verpasste Viertelstunde über das ganze Jahr.

Dass der Leistungstarif den Business Case dominiert, bestätigt die Studie Peak-Shaving mit Photovoltaik und Batterie der Hochschule für Technik FHNW im Auftrag des Kantons Aargau (Roth und Cavalloni, 2022). Sie hat acht Aargauer Industrieunternehmen simuliert und hält fest: Je höher der Leistungstarif, desto lohnender das Peak Shaving, und je grösser das Verhältnis von Spitze zu Grundlast, desto mehr Spitze kappt jede Kilowattstunde Speicherkapazität. Die Studie zeigt auch, warum die PV-Anlage allein nicht reicht: In fast jedem Monat gibt es einen stark bewölkten Tag, an dem die Anlage die Spitze nicht abfängt. Erst die Batterie macht die Reduktion planbar.

Wann lohnt sich Peak Shaving nicht?

Peak Shaving ist ein Tarifgeschäft. Fehlt eine der drei Voraussetzungen, bleibt der Speicher ein teurer Eigenverbrauchsoptimierer.

  • Kein separater Leistungspreis. 15 von 301 Netzbetreibern (rund ein Zwanzigstel) rechnen die Leistung in den Arbeitspreis ein oder verlangt unter CHF 5 pro kW und Jahr (Auswertung der ElCom-Daten 2026). Dort gibt es nichts zu kappen.
  • Flaches Lastprofil. Liegt die Monatsspitze nur 10 bis 15 Prozent über der Grundlast, ist die kappbare Leistung klein. Ein Dreischichtbetrieb mit konstanter Last spart mit Peak Shaving weniger als mit einer besseren Tarifwahl.
  • Lange Spitzen. Dauert die Spitze drei Stunden statt dreissig Minuten, braucht der Speicher die sechsfache Kapazität. Ab einem gewissen Verhältnis ist die Verschiebung der Last, etwa ein gestaffelter Anlauf der Kompressoren, die wirtschaftlichere Massnahme.

Speicher, die nur für Peak Shaving ausgelegt sind, stehen den grössten Teil des Monats ungenutzt. Das ist der Grund, weshalb Ampere Dynamic Gewerbespeicher grundsätzlich für mehrere Anwendungen auslegt; die Erlösquellen erklärt der Leitfaden Gewerbespeicher Schweiz. Wie stark der Markt wächst, dokumentiert der Batteriemonitor Schweiz 2026 von Swissolar: Die hinter dem Netzanschluss installierte Speicherkapazität soll von 1.5 GWh Ende 2025 auf 2.5 GWh Ende 2026 steigen.

Peak Shaving in der Praxis: Kuny AG

Die Kuny AG in Küttigen AG stellt Textilbänder her und betreibt seit Dezember 2022 eine 633-kWp-Photovoltaikanlage von Ampere Dynamic. Seit März 2026 stehen zwei Outdoor-Batteriespeicher mit zusammen 250 kW Leistung und 522 kWh Kapazität auf dem Dach der Trafostation, ausgelegt für Peak Shaving und Eigenverbrauchsoptimierung (Projektdaten Ampere Dynamic).

Der Lastgang 2024 zeigte Spitzen von über 400 kW, und rund 262 MWh Solarstrom flossen ins Netz. Die 250 kW Entladeleistung sind die Obergrenze dessen, was der Speicher aus einer Spitze nehmen kann; die 522 kWh reichen für rund zwei Stunden Volllast. Das EMS misst den Netzbezug am Netzanschlusspunkt in Echtzeit, speichert tagsüber Solarüberschüsse für die Produktion und hält Leistung für die Spitzen bereit. Zusätzlich ist der Speicher für Systemdienstleistungen angemeldet, vorgesehen vor allem nachts und am Wochenende, damit keine zusätzlichen Spitzen im Betrieb entstehen. Messwerte zur erreichten Spitzenreduktion liegen noch nicht vor.

So planen Sie Ihre Peak-Shaving-Lösung

Ampere Dynamic plant Peak-Shaving-Lösungen in vier Schritten, vom Lastgang bis zum laufenden Betrieb.

Von der Analyse zur laufenden Anlage

Lastganganalyse und Peak-Shaving-Potenzial

Wir werten Ihren Lastgang der letzten 12 Monate im 15-Minuten-Raster aus, identifizieren die massgebenden Spitzen je Monat und rechnen das Potenzial mit dem Tarifblatt Ihres Netzbetreibers in CHF pro Jahr. Ergebnis in 4 bis 6 Wochen.

Speicherdimensionierung und EMS-Auslegung

Aus Höhe und Dauer der Spitzen folgen Leistung (kW) und Kapazität (kWh) des Speichers. Das EMS wird auf das Messfenster und den Abrechnungsmodus Ihres Netzbetreibers kalibriert, monatlich oder jährlich.

Installation und Inbetriebnahme

Schlüsselfertige Installation ohne Betriebsunterbruch, inklusive EMS-Konfiguration, Anmeldung beim Netzbetreiber und Einweisung des Betriebspersonals.

Monitoring und Nachjustierung

Nach Inbetriebnahme vergleichen wir die gemessene Monatsspitze mit dem Zielwert und justieren Setpoint und Ladestrategie. Die monatliche Auswertung zeigt die erreichte Leistungspreis-Reduktion in CHF.

Peak Shaving ist meist die schnellste Amortisationsquelle eines Gewerbespeichers, aber selten die einzige. Wie sich Eigenverbrauch, Flottenladen und Regelleistung im selben Speicher kombinieren lassen, zeigt der Artikel Regelenergie mit Batteriespeichern; die Wahl des Speichers selbst behandelt Batteriespeicher-Anbieter Schweiz.

Häufige Fragen

Was ist Peak Shaving?

Peak Shaving, auf Deutsch Lastspitzenkappung, ist das gezielte Senken der höchsten Bezugsleistung eines Betriebs. Ein Batteriespeicher entlädt sich, sobald der Strombezug den Zielwert zu überschreiten droht, und reduziert so den 15-Minuten-Mittelwert, den der Netzbetreiber für den Leistungspreis heranzieht. Der Energieverbrauch bleibt gleich; nur die Spitze sinkt.

Wie viel lässt sich durch Peak Shaving sparen?

Das hängt vom Leistungspreis des Netzbetreibers und von der Höhe der Spitzen ab. 2026 liegt der Leistungspreis für einen Betrieb mit 400 kW Anschlussleistung im Median bei CHF 108 pro kW und Jahr (ElCom-Tarifdaten, Profil C6). Jede dauerhaft gekappte Kilowatt Spitze spart bei diesem Tarif rund CHF 108 pro Jahr; 100 kW weniger Spitze entsprechen rund CHF 10'800. Bei der mittleren Hälfte der Netzbetreiber (CHF 88 bis 127 pro kW) sind es CHF 8'800 bis 12'700. Wie viel Spitze sich in Ihrem Betrieb kappen lässt, zeigt erst die Lastganganalyse.

Wie viel Leistungsspitze lässt sich mit Peak Shaving in einem Produktionsbetrieb reduzieren?

So viel, wie der Speicher an Leistung hat und wie weit die Spitze über der Grundlast liegt. Ein Speicher mit 250 kW Entladeleistung wie bei der Kuny AG kann höchstens 250 kW aus der Spitze nehmen; kappbar ist davon der Teil, der über der Grundlast liegt und kürzer dauert, als die Kapazität reicht. Die FHNW-Studie für den Kanton Aargau zeigt: Je grösser das Verhältnis von Spitze zu Grundlast, desto mehr Spitze kappt jede Kilowattstunde Speicher. Die Zahl für Ihren Betrieb liefert die Lastganganalyse, nicht ein Branchenwert.

Wie gross muss ein Batteriespeicher für Peak Shaving sein?

Die Leistung des Speichers (kW) muss die gewünschte Spitzenreduktion abdecken, die Kapazität (kWh) die Dauer der Spitze. Eine Spitze von 100 kW über 45 Minuten braucht 75 kWh nutzbare Kapazität plus Reserve für den nächsten Peak. Die Auslegung folgt aus dem Lastgang der letzten zwölf Monate im 15-Minuten-Raster, nicht aus Faustformeln.

Welche Betriebe profitieren am stärksten von Peak Shaving?

Betriebe mit kurzen, hohen Lastspitzen bei sonst moderater Grundlast: Produktionsstarts, Kompressoren, Schweissanlagen, Kälteanlagen, Ladeinfrastruktur für Flotten. Je grösser das Verhältnis von Spitze zu Grundlast, desto mehr Spitze kappt jede Kilowattstunde Speicher, so das Ergebnis der FHNW-Studie für den Kanton Aargau (2022).

Lässt sich Peak Shaving mit anderen Speicheranwendungen kombinieren?

Ja. Peak Shaving hat im Energiemanagementsystem Vorrang, weil es den Leistungspreis direkt senkt. Ausserhalb der Spitzenzeiten dient derselbe Speicher der Eigenverbrauchsoptimierung, dem Laden von Flottenfahrzeugen oder Systemdienstleistungen für Swissgrid. Das Referenzprojekt Kuny AG ist auf Peak Shaving und Eigenverbrauch ausgelegt und zusätzlich für Regelleistung angemeldet.