Glossar
Lastgang
Auch bekannt als: Lastprofil, Verbrauchsprofil
Der Lastgang ist das zeitaufgelöste Verbrauchsprofil eines Betriebs, in der Schweiz standardmässig in 15-Minuten-Mittelwerten gemessen. Er zeigt, wann wie viel Leistung bezogen wird: Grundlast, Produktionsspitzen, Wochenend- und Saisonverläufe. Für die Auslegung von PV-Anlage, Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur ist die Lastganganalyse die zentrale Datengrundlage, denn sie bestimmt Eigenverbrauchspotenzial, Speichergrösse und Einsparpotenzial beim Leistungspreis.
Woher kommen die Lastgangdaten?
Grössere Betriebe verfügen in der Regel bereits über eine Lastgangmessung: Art. 8 der Stromversorgungsverordnung (StromVV) verpflichtet die Netzbetreiber, bei Erzeugungsanlagen über 30 kVA und bei grösseren Endverbrauchern Lastgangmessungen mit Fernauslesung einzusetzen, und Art. 8a schreibt intelligente Messsysteme mit einer Schnittstelle vor, über die die Endverbraucher ihre 15-Minuten-Werte abrufen können. Messregeln und Datenformat legt der Metering Code Schweiz des VSE fest. Die Daten sind beim Netzbetreiber im Kundenportal oder auf Anfrage als CSV erhältlich; für die Projektierung reichen die letzten zwölf Monate.
Ohne Lastgang bleibt jede Dimensionierung eine Schätzung. Ein Jahresverbrauch sagt nichts darüber, ob der Strom in der Nacht oder am Mittag gebraucht wird, und genau das entscheidet über den Wert einer PV-Anlage.
Was liest man aus dem Lastgang?
Drei Kennwerte bestimmen die Auslegung. Die Grundlast ist die Leistung, die der Betrieb immer bezieht, auch nachts und am Wochenende; sie begrenzt, wie viel Solarstrom ohne Speicher direkt verbraucht wird (Eigenverbrauch). Die Spitzenlast ist der höchste 15-Minuten-Mittelwert der Abrechnungsperiode, je nach Netzbetreiber des Monats oder des Jahres; sie bestimmt den Leistungspreis und das Potenzial für Peak Shaving. Das Tages- und Wochenprofil zeigt, ob die Last mit der Sonne läuft, wie bei Tagschichtbetrieben mit 60 bis 70 Prozent Eigenverbrauch, oder gegen sie, wie bei Bürogebäuden mit 20 bis 40 Prozent (Auswertung realisierter Ampere-Dynamic-Projekte).
Dazu kommen Dauer und Häufigkeit der Spitzen: Eine Spitze von 100 kW über 45 Minuten braucht 75 kWh Speicher, eine über drei Stunden das Sechsfache. Diese Zahl entscheidet, ob ein Speicher oder eine Lastverschiebung die wirtschaftlichere Massnahme ist.
Wie wird der Lastgang in der Projektierung genutzt?
Die Lastganganalyse ist fester Bestandteil der Vorstudie von Ampere Dynamic: Der Lastgang wird im 15-Minuten-Raster mit dem simulierten PV-Ertrag überlagert, daraus folgen Anlagengrösse, Speicherleistung und -kapazität sowie das Einsparpotenzial beim Leistungspreis in CHF pro Jahr. Ergebnis in 4 bis 6 Wochen ab Erhalt der Daten. Was der Lastgang für die Wirtschaftlichkeit einer Industrieanlage bedeutet, zeigt der Artikel Photovoltaik für Industrie und Produktionsbetriebe.