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Glossar: Energiebegriffe für Industrie und Gewerbe

Die zentralen Begriffe zu Photovoltaik, Batteriespeichern, Eigenverbrauch und Förderung in der Schweiz. Jede Definition kompakt erklärt, mit weiterführenden Fachartikeln.

Abrechnungsdienstleister
Ein Abrechnungsdienstleister übernimmt in einem ZEV, vZEV oder einer LEG die Messdatenverarbeitung und die Rechnungsstellung für den gemeinsam genutzten Solarstrom und, je nach Modell, auch für den Netzstrom. Im ZEV und vZEV verrechnet er beides an die Teilnehmer, in der LEG nur den LEG-Strom, während der Netzbetreiber Reststrom und Netznutzung abrechnet. Die Rolle kann ein spezialisiertes Unternehmen, der Netzbetreiber selbst oder der Anlagenbetreiber übernehmen.
Ausgleichsenergie
Ausgleichsenergie ist die Differenz zwischen dem angemeldeten Fahrplan einer Bilanzgruppe und ihrem tatsächlichen Verbrauch oder ihrer tatsächlichen Einspeisung in jedem Abrechnungsintervall. Swissgrid gleicht diese Abweichung mit Regelenergie aus und verrechnet sie dem Bilanzgruppenverantwortlichen zu einem Ausgleichsenergiepreis, der sich an den Kosten der abgerufenen Regelenergie orientiert. Die schwankende PV-Produktion von Prosumern ist eine der Hauptursachen für Prognosefehler; sie trieb 2024 die Abrufpreise für Sekundärregelenergie (Swissgrid Balancing Roadmap).
Bilanzgruppe
Eine Bilanzgruppe ist eine Zusammenfassung von Einspeise- und Bezugspunkten im Schweizer Stromnetz, für die ein Bilanzgruppenverantwortlicher, meist ein Elektrizitätswerk oder ein Energiehändler, Fahrpläne bei Swissgrid anmeldet. Er beschafft die Energie im Voraus in Stundenblöcken auf Basis eigener Prognosen. Weicht der reale Verbrauch oder die PV-Produktion davon ab, entsteht Ausgleichsenergie, die Swissgrid der Bilanzgruppe in Rechnung stellt. Mit wachsendem PV-Anteil steigen die Prognosefehler und damit der Bedarf an Regelenergie.
Dynamischer Tarif
Ein dynamischer Tarif ist ein Stromtarif, dessen Preis sich innerhalb des Tages nach dem Börsenpreis und der erwarteten Netzbelastung ändert, statt fix in Hoch- und Niedertarif eingeteilt zu sein. EKZ sendet seit dem 1. Januar 2026 Preissignale im 15-Minuten-Takt in einem Band von plus/minus 5 Rp./kWh um den Standardtarif, CKW variiert den Netztarif zwischen 0.1 und 32 Rp./kWh. Betriebe mit Speicher, Ladestationen und Energiemanagementsystem verschieben ihren Verbrauch in die Stunden mit tiefen Preisen.
Eigenverbrauch
Eigenverbrauch bezeichnet den Anteil des produzierten Solarstroms, den ein Betrieb direkt selbst nutzt, statt ihn ins Netz einzuspeisen. Er ist der zentrale Werthebel einer PV-Anlage: Selbst genutzter Strom ersetzt Netzbezug zu 20 bis 35 Rp./kWh, während die Einspeisung nur den Referenz-Marktpreis erlöst, 2026 für Solarstrom 3.9 bis 10.3 Rp./kWh je Quartal. Unoptimierte Anlagen erreichen 30 bis 40 Prozent, mit Speicher und ZEV sind 70 bis 90 Prozent erreichbar.
Einmalvergütung
Die Einmalvergütung (EIV) ist die zentrale Bundesförderung für Photovoltaikanlagen in der Schweiz, ausbezahlt als einmaliger Investitionsbeitrag bei Inbetriebnahme durch die Vollzugsstelle Pronovo. Sie gliedert sich in KLEIV für Anlagen unter 100 kWp, GREIV für Anlagen ab 100 kWp bis 50 MWp und HEIV für Volleinspeiser von 2 bis 150 kWp. Seit 2025 gelten zusätzliche Boni, etwa für steile Anlagenteile ab 75 Grad Neigung und für neue Parkplatzüberdachungen.
Energiemanagementsystem
Ein Energiemanagementsystem (EMS) ist die Steuerungszentrale eines gewerblichen Energiesystems: Es überwacht Produktion, Verbrauch und Speicherstand in Echtzeit und koordiniert PV-Anlage, Batteriespeicher, flexible Lasten und Ladeinfrastruktur nach wirtschaftlichen Zielwerten. Typische Funktionen sind Peak Shaving, Eigenverbrauchsoptimierung und priorisiertes Laden. Moderne Systeme nutzen Lastprognosen und maschinelles Lernen, um wiederkehrende Muster zu antizipieren.
Hagelschutzklasse
Die Hagelschutzklasse (Hagelwiderstandsklasse, HW) gibt an, welchem Hagelkorn ein Bauteil der Gebäudehülle ohne Schaden standhält; die Zahl entspricht dem Korndurchmesser in Zentimetern, HW3 also 3 cm und HW4 4 cm. Für Solarmodule gilt nach SIA 261/1 und dem VKF-Hagelregister HW3 als Basis, in ausgewiesenen Hagelregionen empfiehlt das Swissolar-Merkblatt 17 HW4. Eine kantonale gesetzliche Pflicht für PV-Module gibt es nicht.
Lastgang
Der Lastgang ist das zeitaufgelöste Verbrauchsprofil eines Betriebs, in der Schweiz standardmässig in 15-Minuten-Mittelwerten gemessen. Er zeigt, wann wie viel Leistung bezogen wird: Grundlast, Produktionsspitzen, Wochenend- und Saisonverläufe. Für die Auslegung von PV-Anlage, Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur ist die Lastganganalyse die zentrale Datengrundlage, denn sie bestimmt Eigenverbrauchspotenzial, Speichergrösse und Einsparpotenzial beim Leistungspreis.
LEG
Eine LEG (Lokale Elektrizitätsgemeinschaft) ermöglicht seit dem 1. Januar 2026 den Handel von lokal produziertem Strom über das öffentliche Netz zwischen Teilnehmern, die örtlich nahe beieinander in derselben Gemeinde liegen. Für den LEG-Strom zahlen Teilnehmer ein um 40 Prozent reduziertes Netznutzungsentgelt, um 20 Prozent, wenn der Strom über eine Spannungstransformation fliesst. Anders als beim ZEV oder vZEV dürfen die Teilnehmer unterschiedliche Netzanschlusspunkte im selben Netzgebiet nutzen; Smart Meter sind Pflicht.
Leistungspreis
Der Leistungspreis ist der Teil der Stromrechnung, den Gewerbe- und Industriebetriebe für ihre maximale Bezugsleistung zahlen, abgerechnet in CHF pro Kilowatt. Massgebend ist der höchste 15-Minuten-Mittelwert der Abrechnungsperiode, je nach Netzbetreiber des Monats oder des Jahres: EKZ, CKW, AEW und BKW rechnen 2026 den Monatshöchstwert ab, SIG in Genf den Jahreshöchstwert. Ein einziger kurzer Lastpeak kann damit die Netzkosten eines ganzen Monats oder Jahres bestimmen, unabhängig vom tatsächlichen Energieverbrauch.
Merit-Order
Die Merit-Order ist die Einsatzreihenfolge der Kraftwerke am Strommarkt, sortiert nach ihren Grenzkosten von der billigsten zur teuersten Erzeugung. An der Strombörse setzt das teuerste Kraftwerk, das zur Deckung der Nachfrage noch zugeschaltet werden muss, den Preis für alle Anbieter dieser Stunde. In vielen Stunden sind das Gaskraftwerke, weshalb der Gaspreis den Strompreis in Europa und damit auch in der Schweiz stark prägt.
Netzebene
Die Netzebene bezeichnet eine der sieben Stufen, in die das Schweizer Stromnetz von der Höchstspannung des Übertragungsnetzes (Netzebene 1) bis zur Niederspannung beim Endverbraucher (Netzebene 7) gegliedert ist. Die ungeraden Ebenen 1, 3, 5 und 7 sind Spannungsebenen, die geraden Ebenen 2, 4 und 6 die Transformationsstufen dazwischen. Für Eigenverbrauchsmodelle zählt die Netzebene, weil eine LEG nur Ebenen bis 36 kV nutzen darf, in der Praxis die Netzebenen 5 und 7.
Netzentgelt
Das Netzentgelt (Netznutzungsentgelt) ist der Teil der Stromrechnung, den der Verteilnetzbetreiber für die Nutzung des Stromnetzes verrechnet, unabhängig vom Energielieferanten. Es besteht aus verbrauchsabhängigen Komponenten in Rp./kWh und dem Leistungspreis in CHF/kW auf die Spitzenlast, je nach Netzbetreiber die des Monats oder des Jahres. Solarstrom vom eigenen Dach durchläuft das öffentliche Netz nicht und vermeidet das Netzentgelt deshalb vollständig.
Peak Shaving
Peak Shaving (Lastspitzenkappung) bezeichnet das gezielte Senken der höchsten Bezugsleistung eines Betriebs aus dem Stromnetz, meist mit einem Batteriespeicher. Der Speicher entlädt sich, sobald der Strombezug den Zielwert zu überschreiten droht, und reduziert so den höchsten 15-Minuten-Mittelwert, auf den der Verteilnetzbetreiber den Leistungspreis in CHF pro Kilowatt erhebt, je nach Tarifblatt als Monats- oder Jahreshöchstwert. Der Energieverbrauch bleibt gleich; nur die Spitze sinkt.
Pooling
Pooling bezeichnet die Bündelung mehrerer Anlagen, etwa PV-Anlagen, Batteriespeicher oder steuerbare Lasten, zu einer virtuellen Einheit, die gemeinsam am Regelenergiemarkt von Swissgrid teilnimmt. Der Poolbetreiber übernimmt Anmeldung, Ausschreibungen und Steuerung; die einzelnen Anlagen werden über ein Modem angebunden. Pooling macht den Markt für Anlagen zugänglich, die das Mindestgebot von 1 MW (Primär- und ab Mitte 2026 Tertiärregelleistung) oder 5 MW (Sekundärregelleistung) allein nicht erreichen. Grundlage ist ein Poolingvertrag zwischen Anlagenbesitzer und Poolbetreiber.
Primärregelleistung (PRL)
Primärregelleistung (PRL) ist die erste Stufe der Regelleistung im Schweizer Stromnetz: Sie stabilisiert die Netzfrequenz automatisch innerhalb von 30 Sekunden nach einer Störung, etwa dem Ausfall eines Kraftwerks. Swissgrid hielt dafür 2025 im Jahresmittel rund 70 MW vor, ab 2026 sind es 80 MW (ElCom). Das Mindestgebot liegt bei 1 MW; kleinere Anlagen nehmen über ein Pooling teil. Batteriespeicher eignen sich für dieses Produkt, weil sie ihre Leistung ohne Anfahrzeit in beide Richtungen ändern können.
Referenzmarktpreis
Der Referenzmarktpreis ist der vom Bundesamt für Energie (BFE) berechnete, vierteljährlich gemittelte Marktpreis für Strom, an dem sich seit dem 1. Januar 2026 die gesetzliche Vergütung für eingespeisten Solarstrom orientiert. Für Anlagen unter 150 kW gilt daneben eine Minimalvergütung nach Art. 12 EnV. Ab dem 1. Januar 2027 löst der stündliche Day-Ahead-Spotpreis zum Zeitpunkt der Einspeisung das Quartalsmittel ab; die Minimalvergütung wird dann als quartalsweiser Differenzbetrag ausgerichtet.
Regelenergie
Regelenergie ist die Energie, die Swissgrid als Übertragungsnetzbetreiberin kurzfristig abruft, um Erzeugung und Verbrauch im Schweizer Stromnetz jederzeit im Gleichgewicht zu halten. Sie wird in drei Stufen bereitgestellt: Primärregelleistung innerhalb von 30 Sekunden, Sekundärregelleistung innerhalb von 5 Minuten und Tertiärregelleistung bei Ungleichgewichten über 15 Minuten. 2025 wurden in der Schweiz rund 1'160 GWh Regelenergie aktiviert, gegenüber rund 700 GWh im Jahr 2020 (ElCom). Anbieter erhalten eine Vergütung für die Vorhaltung der Leistung und für die abgerufene Energie.
Repowering
Repowering bezeichnet die Modernisierung einer bestehenden Photovoltaikanlage durch den Austausch von Modulen, Wechselrichtern oder Unterkonstruktion gegen aktuelle Technik. Weil moderne Module deutlich höhere Wirkungsgrade erreichen als Anlagen aus den 2000er- und frühen 2010er-Jahren, steigt der Ertrag auf gleicher Dachfläche erheblich. Repowering lohnt sich typischerweise bei alternden Anlagen mit auslaufender Einspeisevergütung, häufigen Defekten oder stark gestiegenem Strombedarf.
Sekundärregelleistung (SRL)
Sekundärregelleistung (SRL) ist die zweite Stufe der Regelleistung: Sie löst die Primärregelleistung ab und gleicht ein Ungleichgewicht im Schweizer Stromnetz innerhalb von 5 Minuten vollständig aus, automatisch gesteuert durch Swissgrid. 2025 hielt Swissgrid im Jahresmittel rund 360 MW in beide Richtungen vor. Die Vorhaltung kostete im Mittel rund CHF 70'000 pro MW und Jahr, der Abruf als Sekundärregelenergie wurde mit 334 EUR/MWh positiv und 208 EUR/MWh negativ vergütet (ElCom). Das Mindestgebot beträgt 5 MW bis Mitte 2027.
StromVG
Das StromVG (Bundesgesetz über die Stromversorgung, SR 734.7) vom 23. März 2007 regelt in der Schweiz den Zugang zum Stromnetz, die Netznutzungsentgelte, die Grundversorgung und die Versorgungssicherheit. Es hat 2009 den Markt für Endverbraucher mit mehr als 100 MWh Jahresverbrauch geöffnet, Swissgrid als nationale Netzgesellschaft geschaffen und die ElCom als Regulator eingesetzt. Mit dem Stromgesetz von 2024 kamen ab 2025 und 2026 unter anderem die lokalen Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) und die Stromreserve hinzu.
Systemdienstleistungen (SDL)
Systemdienstleistungen (SDL) sind die Leistungen, die Swissgrid als Übertragungsnetzbetreiberin einkauft, um das Schweizer Stromnetz sicher zu betreiben: Regelleistung in drei Stufen (Primär-, Sekundär- und Tertiärregelleistung), Spannungshaltung, Schwarzstartfähigkeit und die Bereitstellung von Ausgleichsenergie. Die Kosten werden über den SDL-Tarif auf die Endverbraucher umgelegt. Für Betreiber von Batteriespeichern ist SDL die Sammelbezeichnung für Erlöse aus dem Regelenergiemarkt, die in Standortstudien neben Peak Shaving und Eigenverbrauchsoptimierung als dritter Ertragshebel geprüft werden.
Tertiärregelleistung (TRL)
Tertiärregelleistung (TRL) ist die dritte Stufe der Regelleistung: Swissgrid ruft sie manuell ab, wenn ein Ungleichgewicht im Schweizer Stromnetz länger als 15 Minuten anhält, und entlastet damit die Sekundärregelleistung. 2025 beschaffte Swissgrid im Jahresmittel rund 500 MW positive und rund 430 MW negative Tertiärregelleistung (ElCom). Das Mindestgebot sinkt ab Mitte 2026 auf 1 MW (Swissgrid Balancing Roadmap). Über ein Pooling können auch PV-Anlagen ohne Speicher in diesem Markt Leistung anbieten.
VNB-Praxismodell
Das VNB-Praxismodell ist eine seit 2014 verbreitete Branchenpraxis, bei der der Verteilnetzbetreiber (VNB) den Solarstrom einer Liegenschaft über seine eigenen Zähler an die Mieter verteilt und verrechnet. Die Mieter bleiben Endkunden des VNB, der Anlagenbetreiber erhält eine Gutschrift für den gelieferten Solarstrom. Anders als ZEV, vZEV und LEG steht das Modell in keinem Gesetz; es beruht auf einem Vertrag zwischen Anlagenbetreiber und VNB.
vZEV
Der vZEV (virtuelle Zusammenschluss zum Eigenverbrauch) erweitert seit dem 1. Januar 2025 das ZEV-Modell auf mehrere Grundstücke und Netzanschlüsse, die über die Anschlussleitung oder die lokale Infrastruktur beim Netzanschlusspunkt unter 1 kV verbunden sind, ohne das Verteilnetz zu beanspruchen. Die Zuordnung des Solarstroms erfolgt rechnerisch über die Smart Meter des Netzbetreibers. Eine eigene Messinfrastruktur wie beim klassischen ZEV entfällt.
Winterstrombonus
Der Winterstrombonus ist eine Zusatzförderung zur Einmalvergütung für Photovoltaikanlagen ab 100 kWp, die ab dem 1. Januar 2026 in Betrieb gehen und im Winterhalbjahr (1. Oktober bis 31. März) mehr als 500 kWh pro installiertem Kilowatt produzieren. Der Bonus fördert gezielt winterstarke Anlagen: alpine Standorte, steil geneigte Module und Fassadenanlagen mit Süd-West- oder Süd-Ost-Ausrichtung.
ZEV
Ein ZEV (Zusammenschluss zum Eigenverbrauch) erlaubt es seit 2018 mehreren Parteien in einem Gebäude oder Areal, Solarstrom hinter einem einzigen Netzanschlusspunkt gemeinsam zu nutzen. Alle Teilnehmer teilen sich den Anschluss, die Abrechnung erfolgt konsolidiert. Relevant ist das Modell vor allem für Gewerbeparks, Industrieareale und Liegenschaften mit mehreren Mietern.