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Solaranlage für Logistikzentren: Von der Dachanlage zum E-Ladepark

Logistikzentren kombinieren Warehouse-Dach-PV, Batteriespeicher und E-LKW-Ladepark zum integrierten Energiesystem. Mit ASTAG/KlG-Förderung und Hugelshofer-Praxisbeispiel.

Industrie-Solar

Das Wichtigste in Kürze

8 Min. Lesezeit
  1. Logistikzentren verfügen über die grössten unverschatteten Flachdachflächen der Schweiz — ideale Voraussetzung für grosse PV-Anlagen mit hohem Eigenverbrauchspotenzial.
  2. Das integrierte System aus Dach-PV, Batteriespeicher und E-LKW-Ladepark schafft einen geschlossenen Energiekreislauf: bis zu 40% der Ladeenergie stammt aus eigener PV-Produktion.
  3. ASTAG-Branchenprogramm (bis 40% Förderung, CHF 20 Mio. Budget) für KMU unter 250 Mitarbeitenden. KlG-Netto-Null (bis 50%) für Grossbetriebe ab 250 Mitarbeitenden.
  4. Hugelshofer Services AG beweist das Modell im grossen Massstab: 1'001 kWp, 28 Ladepunkte, 400 kW DC und Swiss Logistics Award 2024.

Logistikunternehmen betreiben die grössten Flachdachkomplexe der Schweiz — und die meisten bleiben energetisch ungenutzt. Gleichzeitig schafft die Flottenelektrifizierung einen massiven neuen Strombedarf. Die integrierte Lösung: Warehouse-Dach-PV, Batteriespeicher und E-LKW-Ladepark als Gesamtsystem. Ampere Dynamic realisiert diese Gesamtlösung schlüsselfertig — mehr dazu auf der Lösungsseite Elektrifizierung der Logistik. Dieser Leitfaden zeigt den Weg vom ersten kWp bis zur vollständigen Flottenelektrifizierung.

Das Dachpotenzial von Logistikzentren

Logistikzentren bieten optimale Voraussetzungen für grosse PV-Anlagen. Die Gründe: Flachdächer zwischen 3’000 und 15’000 m² ohne Gauben oder Kamine, keine Verschattung durch benachbarte Gebäude und ein Tagesbetrieb (Sortierung, Umschlag, Büro), der zeitlich gut mit der Solarproduktion übereinstimmt.

Statisch sind moderne Hallendächer für Standardmodule unproblematisch: Das Eigengewicht der Anlage liegt deutlich unter der Schneelastnorm, und die Flachdachkonstruktion erlaubt die einfache, parallelisierte Installation grosser Modulflächen mit minimalen Gerüstkosten.

Die typische Eigenverbrauchsquote ohne Speicher liegt bei 50-70% — etwas tiefer als in Produktionsbetrieben mit homogenerem Lastprofil, da Logistikbetriebe je nach Schichtmodell grössere Lastsprünge aufweisen. Mit Batteriespeicher und E-LKW-Ladepark sind 70-85% Eigenverbrauch realistisch.

15'000
Typische Dachfläche grosser Logistikzentren in der Schweiz
40 %
Eigener Ladestrom aus PV (Hugelshofer-Referenz)
150+ Projekte
Ampere Dynamic Installationen seit 2020 (Industrie und Logistik)

Von der Dachanlage zum integrierten Ladepark

Das integrierte Energiesystem für Logistikzentren besteht aus drei Schichten, die gemeinsam den wirtschaftlichen Hebel entfalten.

Schicht 1: Dach-PV — Die Photovoltaikanlage auf dem Hallendach liefert die Eigenstrombasis für Lagerbeleuchtung, Fördertechnik und Büros. Zwei realisierte Projekte zeigen das Grössenspektrum: Lagerhäuser Aarau mit 1’703 kWp auf 6’024 m² und COTRA Autotransport AG mit 634 kWp auf 3’132 m². Beide Anlagen versorgen tagsüber den laufenden Betrieb direkt mit Solarstrom.

Schicht 2: Batteriespeicher — Der Speicher übernimmt zwei Funktionen: Er kappt Leistungsspitzen aus Kompressorstarts und Fördertechnikläufen (Peak Shaving) und puffert die Ladeenergie für die Elektroflotte. Allein durch die Reduktion des monatlichen Leistungspreises sind Einsparungen von CHF 15’000-40’000 pro Jahr typisch für Betriebe mit 300+ kW Spitzenlast.

Schicht 3: E-LKW-Ladepark — DC-Schnellladestationen (150-400 kW) für Elektro-Nutzfahrzeuge werden direkt mit PV-Anlage und Batteriespeicher integriert. Das EMS (Energiemanagementsystem) koordiniert alle drei Schichten in Echtzeit: Wenn die PV-Produktion hoch und der Speicher geladen ist, leitet das EMS den Strom direkt an die Ladesäulen. Bei niedrigem Solarertrag entlädt sich der Speicher in die Ladesäulen. Das Resultat: 40% der Ladeenergie aus eigener Produktion, ohne Netzausbau.

Für die detaillierte Planung der Ladeinfrastruktur empfehlen wir den Leitfaden Ladeinfrastruktur für Gewerbe.

Hugelshofer: Europas grösster E-LKW-Ladepark

Das Flaggschiffprojekt von Ampere Dynamic illustriert die integrierte Lösung im grossen Massstab. Hugelshofer Services AG betreibt auf dem Dach des Logistikzentrums eine 1’001 kWp Photovoltaikanlage mit 2’314 Modulen auf 1’283 m². Diese versorgt 28 Ladepunkte mit bis zu 400 kW DC-Schnellladekapazität — genug, um einen 40-Tonner in rund 90 Minuten zu laden.

Das Ergebnis: 40% der gesamten Ladeenergie stammt aus der eigenen PV-Produktion. Das Projekt wurde mit dem Swiss Logistics Award 2024 ausgezeichnet. CEO Martin Lörtscher: “Die Zusammenarbeit war sehr professionell. Wir waren sehr zufrieden.”

Weitere realisierte Logistikprojekte: Lagerhäuser Aarau (1’703 kWp, 6’024 m²) und COTRA Autotransport AG (634 kWp, 3’132 m²).

Förderung für Logistikbetriebe

Zwei Bundesförderprogramme unterstützen die Flottenelektrifizierung in der Logistik.

ASTAG-Branchenprogramm richtet sich ausschliesslich an KMU mit weniger als 250 Mitarbeitenden. Das Programm läuft bis Dezember 2027, das Gesamtbudget beträgt CHF 20 Mio. Die Förderquote beträgt bis zu 40% der förderfähigen Investitionskosten für E-LKW-Ladeinfrastruktur. Anträge müssen vor Baubeginn gestellt werden.

KlG (Klima- und Innovationsgesetz) gilt für Betriebe ab 250 Mitarbeitenden mit Netto-Null-Fahrplan. Die Förderquote beträgt bis zu 50% der Investitionskosten. Dieses Programm ist nicht auf eine Branche beschränkt und eignet sich für grosse Logistik- und Speditionsunternehmen.

GREIV (Einmalvergütung für die PV-Anlage selbst) beträgt bis zu 30% der Investitionskosten, unabhängig von der Betriebsgrösse.

Einen vollständigen Überblick aller Fördermittel für Industrie und Gewerbe bietet der Fördermittel-Guide 2026.