Glossar
Merit-Order
Auch bekannt als: Merit-Order-Prinzip, Einsatzreihenfolge der Kraftwerke
Die Merit-Order ist die Einsatzreihenfolge der Kraftwerke am Strommarkt, sortiert nach ihren Grenzkosten von der billigsten zur teuersten Erzeugung. An der Strombörse setzt das teuerste Kraftwerk, das zur Deckung der Nachfrage noch zugeschaltet werden muss, den Preis für alle Anbieter dieser Stunde. In vielen Stunden sind das Gaskraftwerke, weshalb der Gaspreis den Strompreis in Europa und damit auch in der Schweiz stark prägt.
Die Merit-Order erklärt, warum der Strompreis an Krisen hängt, die mit Strom wenig zu tun haben. Wasserkraft, Kernkraft, Wind und Solar produzieren zu Grenzkosten nahe null und stehen am Anfang der Reihenfolge. Gas- und Kohlekraftwerke stehen am Ende. Sobald die Nachfrage so hoch ist, dass ein Gaskraftwerk laufen muss, bestimmt dessen Brennstoffpreis den Preis für jede gehandelte Kilowattstunde, auch für die aus dem Stausee (Quelle: VSE, Strommarkt und Stromhandel).
Für die Schweiz wirkt das Prinzip vor allem im Winter. Rund 60 Prozent des Stroms stammen aus Wasserkraft, knapp 30 Prozent aus Kernkraft (BFE 2024), doch im Winterhalbjahr importiert das Land Strom aus der EU und übernimmt damit die dortige Preisbildung. Der Anstieg der Energiekomponente für Gewerbekunden von 7.29 Rp./kWh (2022) auf 12.26 Rp./kWh (2023) gemäss ElCom ist die Spur der Gaspreiskrise in der Schweizer Stromrechnung.
Für Betreiber von PV-Anlagen folgt daraus: Der Bezugspreis hängt an Märkten, die der Betrieb nicht beeinflussen kann; der Anteil selbst produzierten Stroms ist der Hebel gegen diese Abhängigkeit. Wie sich die Preise seit 2021 entwickelt haben und was ab 2027 mit dem stündlichen Spotpreis auf Einspeiser zukommt, steht im Artikel Strommarkt 2026 und dynamische Tarife.