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Wie wir einen der grössten E-LKW-Ladeparks Europas gebaut haben

Hugelshofer Services AG betreibt heute einen der grössten E-LKW-Schnellladeparks Europas (Stand 2024): 1'001 kWp, 28 Ladepunkte, 400 kW DC, ausgezeichnet mit dem Swiss Logistics Award 2024.

E-Mobilität & Laden Aktualisiert: Von Alexander Brendlin, Mitgründer & Geschäftsleitung

Der Hugelshofer-Ladepark ist einer der grössten E-LKW-Schnellladeparks Europas (Stand 2024): 28 Ladepunkte mit bis zu 400 kW DC-Leistung, versorgt von einer 1'001-kWp-PV-Anlage auf dem Truckport-Dach. 40% der gesamten Ladeenergie stammt aus eigener Solarproduktion; das Energiemanagementsystem verteilt die Ladeströme in Echtzeit und machte einen Netzausbau auf über 11 MW überflüssig (Projektdaten Ampere Dynamic). Ampere Dynamic realisierte das Projekt mit Partnern; es erhielt den Swiss Logistics Award 2024.

Das Wichtigste in Kürze

10 Min. Lesezeit
  1. Einer der grössten E-LKW-Ladeparks Europas (Stand 2024): 1'001 kWp PV-Anlage kombiniert mit 28 Ladepunkten und 400 kW DC-Schnellladung für 40-Tonner an einem Standort.
  2. 40% der gesamten Ladeenergie stammt aus eigener Solarproduktion (Projektdaten Ampere Dynamic). Das Projekt beweist, dass Hochleistungs-Ladeinfrastruktur ohne massiven Netzausbau funktioniert.
  3. Swiss Logistics Award 2024: Auszeichnung für Innovation in nachhaltiger Logistikinfrastruktur, für einen der grössten E-LKW-Ladeparks Europas (Stand 2024).
  4. Replizierbares Modell: Die dreischichtige Architektur aus Dach-PV, EMS und Ladepark ist nach Erfahrung von Ampere Dynamic auf Logistikbetriebe ab 500 kWp Dachpotenzial übertragbar.
1'001 kWp
Installierte Solarleistung auf dem Truckport-Dach (Projektdaten Ampere Dynamic)
28 Ladepunkte —
Davon 400 kW DC-Schnellladung für 40-Tonner
40 %
Anteil Solarstrom an der gesamten Ladeenergie (Projektdaten Ampere Dynamic)

Die Ausgangslage: Hugelshofer vor der Herausforderung

Hugelshofer Logistik AG ist ein etabliertes Schweizer Transportunternehmen. Als das Unternehmen begann, seine Schwerlastflotte schrittweise zu elektrifizieren, stiess es auf eine Herausforderung, die viele Logistikbetriebe kennen: Elektro-Lastwagen brauchen viel Strom, und das möglichst schnell.

Ein moderner 40-Tonner benötigt für eine vollständige Ladung mehrere hundert Kilowattstunden Energie. Wer 28 solche Fahrzeuge gleichzeitig laden will, spricht von einer Gleichzeitigkeitslast, die selbst mittlere Industriestandorte an ihre Grenzen bringt. Bei 400 kW DC-Schnellladung pro Station ergibt sich eine theoretische Spitzenlast von über 11 MW (28 × 400 kW), ein Wert, der einen massiven und teuren Netzausbau erfordern würde. Zur Einordnung: Die Studie von EBP zu den öffentlichen Schnell-Ladehubs für E-LKW rechnet bis 2030 schweizweit mit 180 Ladepunkten und einem Ladebedarf von über 130 GWh pro Jahr (ASTAG, EBP-Studie Schnell-Ladehubs); ein einzelnes Depot mit 28 Punkten bewegt sich in derselben Grössenordnung wie einer dieser Hubs.

Die zweite Herausforderung: Der Truckport des Hugelshofer-Logistikzentrums verfügt über eine grosse unverschattete Dachfläche, die bis dato energetisch ungenutzt war. Das Potenzial war offensichtlich. Die Frage war, wie sich Solarproduktion, Netzkapazität und Lademanagement intelligent verknüpfen liessen.

Die Lösung: Drei integrierte Systeme als Gesamtkonzept

Ampere Dynamic realisierte das Projekt gemeinsam mit ausgewählten Partnern, von der Machbarkeitsstudie bis zur Inbetriebnahme. Die Lösung basiert auf drei Schichten, die nur gemeinsam die gewünschte Leistung liefern.

Schicht 1: Dach-PV (1’001 kWp). Vom Solarkraftwerk auf dem Truckport-Dach werden jährlich ca. 1’001 MWh Strom erwartet (Projektdaten Ampere Dynamic). Diese Eigenproduktion versorgt den Ladepark tagsüber direkt, reduziert den Netzbezug und bildet die wirtschaftliche Grundlage des gesamten Systems.

Schicht 2: Last- und Lademanagementsystem (EMS). Das speziell entwickelte Energiemanagementsystem koordiniert die Ladeströme aller 28 Stationen in Echtzeit: Es berücksichtigt aktuelle PV-Produktion, verfügbare Netzkapazität und die Tourenplanung der Fahrer. Wenn mehr Solarstrom verfügbar ist, wird die Ladeleistung erhöht. Wenn weniger Kapazität vorhanden ist, verteilt das EMS die Last dynamisch auf die Stationen mit geringster Priorität.

Schicht 3: Ladepark (28 Ladepunkte mit 400 kW DC). 14 Schnellladestationen mit je zwei Ladepunkten ermöglichen das simultane Laden von 28 E-LKWs. Die DC-Schnellladung mit bis zu 400 kW pro Station erlaubt eine vollständige Aufladung eines 40-Tonners in rund 90 Minuten.

Das Entscheidende: Keines dieser Systeme funktioniert ohne die anderen beiden. Ohne EMS würde die simultane Last mehrerer 400-kW-Stationen das Netz destabilisieren. Ohne PV würde die Wirtschaftlichkeit des Systems stark einbrechen. Und ohne den Ladepark gäbe es keinen sinnvollen Abnehmer für die produzierte Solarenergie.

Mehr zur integrierten Planung von Ladeinfrastruktur und PV: Solaranlage für Logistikzentren. Das Gesamtangebot von Ampere Dynamic für Flottenbetriebe beschreibt die Lösungsseite Elektrifizierung der Logistik.

Technische Details: Das Solarkraftwerk

Das Herzstück des Systems sind 2’314 Solarmodule auf 3’526 m²: 1’283 m² auf dem Gebäudedach und 2’243 m² auf dem Truckport (Projektdaten Ampere Dynamic). Die Gesamtleistung beträgt 1’001 kWp bei einer prognostizierten Jahresproduktion von ca. 1’001 MWh; die Anlage ist bei Pronovo für die GREIV angemeldet und speist den Überschuss zum Referenzmarktpreis nach EnV ein.

Der Truckport erwies sich als idealer Montageort. Die Gründe:

  • Unverschattete Grossfläche: Das Flachdach des Truckports liegt frei und ohne störende Aufbauten. Die Module können in optimaler Ausrichtung und ohne gegenseitige Verschattung montiert werden.
  • Strukturelle Kapazität: Moderne Industrieflachdächer sind auf die Schneelast ausgelegt. Das Gewicht der PV-Anlage liegt deutlich darunter. Eine statische Verstärkung war nicht notwendig.
  • Kurze Kabellängen: Der Ladepark befindet sich direkt unter dem Truckport-Dach. Die räumliche Nähe zwischen PV-Anlage und Verbrauchern minimiert die DC-Kabelverluste und vereinfacht die Systemarchitektur erheblich.
  • Netzanschluss: Eine eigens errichtete Transformatorstation sichert den Mittelspannungsanschluss für die Spitzenlastabdeckung ausserhalb der Solarproduktionszeiten.

Das Last- und Lademanagementsystem

Das EMS ist das intelligente Herz der Anlage. Es löst das grundlegende Problem jedes grossen Ladeparks: Wie lädt man viele Fahrzeuge gleichzeitig, ohne das Netz zu überlasten und ohne auf die Tourenplanung verzichten zu müssen?

Das System von Hugelshofer koordiniert in Echtzeit drei Eingangsgrössen: die aktuelle PV-Produktion des Solarkraftwerks, die verfügbare Netzkapazität gemäss dem vereinbarten Anschlusstarif und die Ladepriorität jedes Fahrzeugs basierend auf der Tourenplanung.

Das Ergebnis (Projektdaten Ampere Dynamic): 40% der gesamten Ladeenergie stammt aus eigener PV-Produktion. Die restlichen 60% beziehen die Fahrzeuge aus dem Netz, aber gleichmässig verteilt und innerhalb der mit dem Netzbetreiber vereinbarten Anschlussleistung; die Messung folgt der Lastgangmessung nach Art. 8 StromVV. Ein kostenintensiver Netzausbau auf 11+ MW entfiel.

Für Logistikbetriebe, die ihre Ladeinfrastruktur planen, empfehlen wir den Leitfaden Ladeinfrastruktur für Gewerbe.

Was andere Logistikbetriebe von Hugelshofer lernen können

Das Hugelshofer-Projekt ist kein Einzelfall, sondern ein Modell. Die dreischichtige Architektur aus Dach-PV, EMS und Ladepark ist auf jeden Logistikbetrieb übertragbar, der über eine ausreichende Dachfläche und eine wachsende Elektroflotte verfügt.

Lektion 1: Integrierte Planung von Anfang an. Wer erst den Ladepark baut und die PV-Anlage nachrüstet, verliert die wirtschaftlichen Synergien. Die Abstimmung von Netzanschluss, Transformatorleistung, PV-Auslegung und EMS-Konfiguration muss vor dem ersten Spatenstich stattfinden.

Lektion 2: PV als wirtschaftliche Basis. Ein reiner Ladepark ohne Eigenstromerzeugung ist teuer im Betrieb. Die 40% Solarstrom bei Hugelshofer (Projektdaten Ampere Dynamic) reduzieren die Betriebskosten messbar und sichern die Wirtschaftlichkeit bei steigenden Netzstrompreisen.

Lektion 3: EMS als Voraussetzung für Hochleistungsladung. Ohne intelligentes Lademanagement ist simultanes 400-kW-Laden von vielen Fahrzeugen netztechnisch nicht realisierbar, jedenfalls nicht ohne prohibitiv teure Anschlussleistungen. Das EMS ermöglicht hohe Ladeleistung innerhalb bestehender Netzkapazitätsgrenzen.

Lektion 4: Phasenweiser Ausbau ist möglich. Die Infrastruktur (Kabeltrassen, Transformatorstation, EMS-Grundkonfiguration) kann von Anfang an für mehr Ladepunkte ausgelegt werden. Ladestationen lassen sich dann mit dem Flottenwachstum nachrüsten.

Einen umfassenden Überblick über die Besonderheiten von Logistikzentren bietet der Artikel Solaranlage für Logistikzentren.

Förderung für E-LKW-Ladeinfrastruktur

Für Logistikbetriebe, die ähnliche Projekte planen, stehen drei Förderprogramme zur Verfügung.

GREIV (Einmalvergütung) fördert die PV-Komponente mit bis zu 30% der anrechenbaren Investitionskosten. Die Förderung gilt unabhängig von Unternehmensgrösse und ist planungssicher.

ASTAG-Branchenprogramm richtet sich an KMU mit weniger als 250 Mitarbeitenden und fördert die E-LKW-Ladeinfrastruktur mit bis zu 40% der förderfähigen Kosten. Das Programm läuft bis Ende 2027 (Budget CHF 20 Mio.). Das Gesuch muss bewilligt sein, bevor Sie die Kaufverträge für die Hauptkomponenten unterschreiben.

KlG (Klima- und Innovationsgesetz): Betriebe mit Netto-Null-Fahrplan können unabhängig von ihrer Grösse beim BFE ein eigenes Gesuch stellen und bis zu 50% der anrechenbaren Kosten erhalten, aber nur für neuartige Technologien und Prozesse. Ob ein Ladepark dazu zählt, prüft das BFE im Einzelfall. Auch das ASTAG-Branchenprogramm stützt sich auf das KlG.

Einen vollständigen Überblick aller Förderprogramme bietet der Fördermittel-Guide 2026.

Projektphasen: Vom Konzept zu einem der grössten E-LKW-Ladeparks Europas

Konzept & Machbarkeitsstudie

Bedarfsanalyse Ladeinfrastruktur, Lastprofil der wachsenden E-LKW-Flotte, Dachstatik Truckport, Netzanschlussprüfung und wirtschaftliche Simulation des integrierten Gesamtsystems.

  • Dauer: 4–6 Wochen

Planung & Bewilligung

Baubewilligung für Ladepark und PV-Anlage, GREIV-Förderantrag, Netzanschlussgesuch beim lokalen Netzbetreiber, Ausschreibung Transformatorstation.

  • Dauer: 3–4 Monate

Hochbau & Infrastruktur

Tiefbau Kabeltrassen, Errichtung der Transformatorstation, Fundamente für den Ladepark, Erdungs- und Schutzleiterinstallation.

  • Dauer: 3–4 Monate

PV-Installation & Elektrik

Montage der 2'314 Module auf 3'526 m² Gebäude- und Truckport-Dachfläche, Installation der Wechselrichter, DC-Verkabelung, Anschluss ans Mittelspannungsnetz.

  • Dauer: 2–3 Monate

Inbetriebnahme & EMS-Konfiguration

Konfiguration der Lademanagement-Software, dynamische Lastverteilung auf 28 Ladepunkte, Monitoring-Anbindung, Anbindung an die Tourenplanung.

  • Dauer: 4–6 Wochen