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Virtueller ZEV (vZEV): Alles zur neuen Eigenverbrauchsgemeinschaft

Der virtuelle ZEV seit 2025: Wie Betriebe Solarstrom über mehrere Grundstücke am selben Netzanschluss teilen, Voraussetzungen, Gründungsschritte und Wirtschaftlichkeit.

Eigenverbrauch & ZEV Aktualisiert: Von Alexander Brendlin, Mitgründer & Geschäftsleitung

Ein virtueller Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (vZEV) erlaubt seit dem 1. Januar 2025, Solarstrom über mehrere Grundstücke und Netzanschlüsse zu teilen, die an derselben Anschlussleitung unter 1 kV hängen, ohne das Verteilnetz zu beanspruchen. Die Zuordnung übernehmen die Smart Meter des Netzbetreibers, eine eigene Messinfrastruktur entfällt. Nötig ist ein Vertrag über den internen Preis. Wirtschaftlich ersetzt der vZEV die Einspeisung zu 5-12 Rp./kWh durch interne Zuteilung zu 15-22 Rp./kWh.

Das Wichtigste in Kürze

7 Min. Lesezeit
  1. Der virtuelle ZEV (vZEV) ist seit dem 1. Januar 2025 möglich (Mantelerlass, EnG Art. 16ff.): Solarstrom kann nun über mehrere Netzanschlüsse hinweg geteilt werden.
  2. Keine eigene Verkabelung nötig: vZEV-Teilnehmer müssen nicht im selben Gebäude sein, aber an derselben Anschlussleitung unter 1 kV. Das öffentliche Verteilnetz darf ein vZEV nicht beanspruchen (Art. 14 EnV).
  3. ZEV-Interner Preis zwischen 15 und 22 Rp./kWh: tiefer als Netzstrom (20-30 Rp./kWh), höher als Einspeisung (5-12 Rp./kWh).
  4. Intelligente Messsysteme (Smart Meter) sind bei allen Teilnehmern Pflicht, die technische Voraussetzung für die Verbrauchserfassung.

Der virtuelle Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (vZEV) verändert die Solarökonomie für Gewerbebetriebe grundlegend. Seit dem 1. Januar 2025 können Unternehmen Solarstrom über mehrere Grundstücke und Netzanschlüsse teilen, ohne eigene Verkabelung zwischen den Gebäuden. Was früher nur hinter einem einzigen Netzanschluss mit privaten Zählern möglich war, gilt jetzt für ganze Firmenareale, deren Gebäude an derselben Anschlussleitung hängen. Die Grenze zieht das Verteilnetz: Wer Strom darüber teilen will, braucht eine LEG. Welches der drei Modelle zu welchem Standort passt, vergleicht der Artikel ZEV, vZEV oder LEG; dieser Leitfaden behandelt den vZEV im Detail. Der wirtschaftliche Effekt: Eingespeister Überschuss eines Unternehmens wird zum Eigenverbrauch des nächsten: zu 15-22 Rp./kWh statt 5-12 Rp./kWh Einspeisevergütung.

Wer kann einem vZEV beitreten?

Die Teilnahme am virtuellen ZEV ist an drei klar definierte Voraussetzungen geknüpft.

Erstens müssen alle Teilnehmer an derselben Anschlussleitung hängen, auf der Spannungsebene unter 1 kV. Der Solarstrom muss zu jedem Teilnehmer fliessen können, ohne das Verteilnetz zu beanspruchen. In der Praxis heisst das: alle Liegenschaften hinter derselben Verteilkabine. Der Netzbetreiber gibt Auskunft über die Anschlusssituation. Ein bestehender ZEV lässt sich so auf die Nachbarparzelle ausdehnen; tritt er einem vZEV bei, verschmelzen beide rechtlich zu einem Zusammenschluss.

Zweitens müssen an allen Messpunkten intelligente Messsysteme (Smart Meter) des Netzbetreibers installiert sein. Sie ersetzen die privaten Zähler des klassischen ZEV und liefern die viertelstündlichen Werte für die rechnerische Zuteilung des gemeinsam erzeugten Stroms. In vielen Gemeinden ist der Rollout der Smart Meter noch im Gange. Der Netzbetreiber informiert über den Status.

Drittens müssen die Teilnehmer einen Vertrag über den internen ZEV-Preis abschliessen. Dieser Preis muss sich innerhalb des gesetzlich vorgeschriebenen Rahmens bewegen: unterhalb des lokalen Netzstromtarifs, aber oberhalb des Einspeisevergütungssatzes.

5-12 Rp./kWh
Einspeisevergütung (KEV-Referenzpreis, BFE)
15-22 Rp./kWh
ZEV-Interner Preis (gesetzl. Rahmen: zwischen Einspeisung und Netzstrom)
20-30 Rp./kWh
Netzstrompreis für Gewerbekunden (ElCom 2025)

Für eine Liegenschaft, die bisher ihren Überschuss zu 8 Rp./kWh einspeist und diesen Strom über einen vZEV zu 18 Rp./kWh an den Nachbarbetrieb abgibt, ergibt sich eine Differenz von 10 Rp./kWh, multipliziert über tausende von Kilowattstunden pro Jahr eine substanzielle Verbesserung der Wirtschaftlichkeit.

So gründen Sie einen vZEV: Schritt für Schritt

vZEV-Gründung: der strukturierte Weg

Teilnehmer identifizieren und Eignung prüfen

Stellen Sie fest, welche Liegenschaften und Messpunkte an derselben Anschlussleitung hängen. Der Netzbetreiber gibt Auskunft über die Anschlusssituation und prüft, ob Smart Meter bereits installiert sind.

vZEV beim Netzbetreiber anmelden

Der vZEV-Betreiber (typischerweise der Eigentümer der Solaranlage) meldet den Zusammenschluss beim lokalen Netzbetreiber an. Dieser koordiniert die Messpunkterfassung und Abrechnungsinfrastruktur.

Smart Meter an allen Messpunkten installieren

Falls noch nicht vorhanden, installiert der Netzbetreiber seine intelligenten Messsysteme bei allen Teilnehmern. Private Zähler wie im klassischen ZEV braucht der vZEV nicht. Die Kosten variieren je nach Netzbetreiber.

Internen ZEV-Preis und Zuteilungsregeln festlegen

Die Teilnehmer einigen sich auf einen internen Preis (innerhalb des gesetzlichen Rahmens) und auf die Zuteilungslogik: proportional nach Verbrauch, nach festem Anteil oder nach einem anderen vereinbarten Schlüssel.

Abrechnungsinfrastruktur einrichten

Ein EMS oder ein spezialisierter Messdienstleister erfasst die viertelstündlichen Verbrauchsdaten und erstellt die monatlichen ZEV-Abrechnungen für alle Teilnehmer. Netzbetreiber bieten in einigen Regionen bereits standardisierte vZEV-Abrechnungsservices an.

Gemeinsamen Eigenverbrauch starten

Ab Inbetriebnahme weist der Netzbetreiber den gemeinsam erzeugten Solarstrom automatisch den vZEV-Teilnehmern zu. Überschüsse, die nicht intern zugeteilt werden können, werden weiterhin ins Netz eingespeist und vergütet.

Was bringt der vZEV wirtschaftlich?

Die wirtschaftliche Logik des vZEV ist einfach: Jede Kilowattstunde, die statt ins Netz eingespeist zu werden intern zugeteilt wird, erzielt einen 2-4-mal höheren Erlös. Bei einer Einspeisevergütung von 5-12 Rp./kWh und einem internen ZEV-Preis von 15-22 Rp./kWh ergibt sich pro kWh eine Differenz von rund 8-12 Rp.

Das Referenzprojekt BACHMANN GROUP (/de/references/bachmann-forming/) zeigt, was möglich ist: 2’809 kWp Solarleistung, 96% Eigenverbrauchsquote bei 24/7-Produktion. Dieser Wert wurde ohne vZEV durch das ideale Lastprofil eines Produktionsbetriebs mit kontinuierlichem Nachtbetrieb erreicht. Für Betriebe mit weniger vorteilhaften Lastprofilen oder mehreren Gebäuden kann der vZEV die Eigenverbrauchsquote auf 70-90% steigern, eine Bandbreite, die auch EnergieSchweiz für optimierte Anlagen ausweist.

Die wirtschaftliche Konsequenz für die Amortisation: Ohne Eigenverbrauchsoptimierung rechnen sich Solaranlagen in 7-9 Jahren. Mit ZEV und Eigenverbrauchsoptimierung sinkt die Amortisationsdauer typischerweise auf 4-6 Jahre (Ampere Dynamic Schätzung aus internen Projektdaten; Haupttreiber ist der höhere Eigenverbrauchsanteil). Der vZEV ist damit kein optionales Add-on, sondern ein zentraler Hebel für die Wirtschaftlichkeit.

Für die nächste Ebene der Optimierung (Batteriespeicher, Lastverschiebung und Energiemanagementsystem) empfehlen wir den Artikel Eigenverbrauch von 30% auf 90%. Eine Übersicht aller Speicherlösungen finden Sie auf der Seite Gewerbespeicher Schweiz.

Häufige Fragen

Braucht ein vZEV eigene Zähler?

Nein. Der vZEV nutzt die intelligenten Messsysteme des Netzbetreibers an allen Messpunkten und einen virtuellen Messpunkt für die Zuteilung. Die viertelstündlichen Werte der Smart Meter genügen für die rechnerische Verteilung des Solarstroms; die privaten Zähler des klassischen ZEV entfallen. Fehlen Smart Meter, installiert sie der Netzbetreiber, die Kosten variieren je nach Netzbetreiber.

Wer kann einem vZEV beitreten?

Alle Teilnehmer müssen an derselben Anschlussleitung hängen, in der Praxis hinter derselben Verteilkabine des Netzbetreibers, so dass der Solarstrom ohne das Verteilnetz zu ihnen fliesst. An jedem Messpunkt braucht es ein Smart Meter des Netzbetreibers, und die Teilnehmer schliessen einen Vertrag über den internen ZEV-Preis unterhalb des Netzstromtarifs und oberhalb der Einspeisevergütung.