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ZEV in der Romandie: RCP, RCP virtuel und CEL erklärt

ZEV heisst in der Westschweiz RCP: gleiches Gesetz, eigene Begriffe, eigene Netzbetreiber. Was Betriebe mit Standorten in VS, VD, FR, GE, NE und JU wissen müssen.

Eigenverbrauch & ZEV Von Livio Rivelli, Projektleiter Regelenergie und Anlagenintegration 6 Min. Lesezeit

Ein ZEV heisst in der Romandie RCP, regroupement dans le cadre de la consommation propre. Rechtsgrundlage und Regeln sind dieselben wie in der Deutschschweiz (Art. 17 und 18 EnG), die Begriffe, die Formulare und die Netzbetreiber nicht. Wer einen Standort im Wallis, in der Waadt, in Freiburg, Genf, Neuenburg oder im Jura hat, verhandelt mit Romande Energie, Groupe E, SIG oder OIKEN und braucht die französischen Fachbegriffe, vom RCP virtuel bis zur CEL.

Das Wichtigste in Kürze

6 Min. Lesezeit
  1. Ein Gesetz, zwei SprachenZEV und RCP sind dasselbe Rechtsinstitut nach Art. 17 und 18 EnG. Was sich ändert, sind Begriffe, Formulare und der Netzbetreiber.
  2. Vier Modelle, vier KürzelRCP für den ZEV, RCP virtuel für den vZEV, CA für das Praxismodell des Netzbetreibers, CEL für die LEG seit 2026 mit 40 Prozent Abschlag auf den Netznutzungstarif.
  3. Der Netzbetreiber entscheidet mitRomande Energie, Groupe E, SIG und OIKEN veröffentlichen eigene Bedingungen, etwa mindestens 10 Prozent Produktionsleistung gegenüber der Bezugsleistung bei Romande Energie und SIG.
  4. Fünf Standorte in VS, VD und JUAmpere Dynamic hat rund 1'170 kWp in der Romandie realisiert, darunter 110 kWp für die Bardusch AG in Sierre VS.

Ein ZEV heisst in der Romandie RCP, regroupement dans le cadre de la consommation propre. Rechtsgrundlage und Regeln sind dieselben wie in der Deutschschweiz, die Begriffe, die Formulare und die Netzbetreiber nicht. Wer einen Standort im Wallis, in der Waadt, in Freiburg, Genf, Neuenburg oder im Jura betreibt, verhandelt mit Romande Energie, Groupe E, SIG oder OIKEN und braucht die französischen Fachbegriffe, vom RCP virtuel bis zur CEL.

Was heisst ZEV auf Französisch?

Das Energiegesetz kennt nur einen Begriff pro Sprache. Der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch ist in der französischen Fassung das regroupement dans le cadre de la consommation propre.

Art. 17 der Loi sur l’énergie (LEne) erlaubt mehreren Grundeigentümern mit Endverbraucherstatus, sich an einem gemeinsamen Produktionsstandort zusammenzuschliessen, sofern die Produktionsleistung «considérable par rapport à la puissance de raccordement du regroupement» ist. Art. 18 verlangt, dass der Zusammenschluss danach «comme un consommateur final unique» behandelt wird. Das ist wörtlich, was Art. 17 und 18 EnG auf Deutsch sagen. Wer die Modelle im Detail vergleichen will, findet die Mechanik in ZEV, vZEV oder LEG: welches Modell passt zu Ihrem Standort.

Die vier Modelle, die Netzbetreiber in der Romandie heute anbieten, tragen eigene Kürzel:

DeutschschweizRomandieWas es ist
ZEVRCP (regroupement dans le cadre de la consommation propre)Private Zähler hinter einem Netzanschluss, ein Endverbraucher gegenüber dem Netzbetreiber
vZEVRCP virtuel, RCPvSeit 2025: mehrere Grundstücke an derselben Anschlussleitung, abgerechnet über die Smart Meter des Netzbetreibers
VNB-PraxismodellCA (communauté d’autoconsommation)Der Netzbetreiber behält Zähler und Kundenbeziehung und verteilt den Solarstrom; kein Gesetzesbegriff
LEGCEL (communauté électrique locale)Seit 2026: Handel über das öffentliche Netz innerhalb einer Gemeinde, 40 Prozent Abschlag auf den Netznutzungstarif

Zwei Rollen kommen in jedem Formular vor. Der représentant ist die Person oder Firma, die den Zusammenschluss gegenüber dem gestionnaire de réseau de distribution (GRD) allein vertritt, Ein- und Austritte meldet und intern abrechnet. Wer ein solches Projekt anstösst, wird in Gemeindeunterlagen und Ausschreibungen als porteur oder porteuse de projet bezeichnet, kurz PMO. Das ist kein Rechtsbegriff, taucht aber in den Suchanfragen aus der Romandie auf.

Was ist in der Romandie anders als in der Deutschschweiz?

Nicht das Gesetz, sondern der Netzbetreiber. Vier Verteilnetzbetreiber decken den grössten Teil der Westschweiz ab, und jeder veröffentlicht eigene Bedingungen, Kartenwerkzeuge und Preise.

Romande Energie (Waadt, Teile von Freiburg, Wallis und Genf) bietet laut eigener Produktseite alle drei Modelle an: CA, RCP mit virtueller Variante und seit 2026 die CEL. Für den RCP verlangt Romande Energie mindestens 10 Prozent Produktionsleistung gegenüber der Bezugsleistung, für die CEL 5 Prozent. Für die CA übernimmt der Netzbetreiber gegen Entgelt Zählung, Rechnungsstellung und Inkasso, nach eigener Angabe für CHF 2.50 pro Monat und Mitglied plus 2 Rappen pro selbst verbrauchter Kilowattstunde (Romande Energie, autoconsommation collective).

Groupe E (Freiburg, Teile von Neuenburg, Waadt und Bern) stellt eine Karte bereit, auf der Sie für eine Adresse sehen, welche Nachbarobjekte am selben Netzknoten hängen und damit für CA oder RCP in Frage kommen. Bei der CEL gewährt Groupe E 40 Prozent Abschlag auf die Netznutzung, wenn alle Teilnehmer am selben Transformator hängen, sonst 20 Prozent. Die Anmeldung läuft über ein Portal und verlangt die 31-stellige Messpunktnummer jedes Teilnehmers (Groupe E, partage d’électricité locale).

SIG (Genf) führt RCP und RCP virtuel als Angebot für Unternehmen und Liegenschaftseigentümer. Ein physischer RCP kostet laut SIG rund CHF 300 pro Zähler für die Installation, der RCPv nutzt die vorhandenen Smart Meter ohne Zählerkosten. Auch SIG verlangt mindestens 10 Prozent der Anschlussleistung als Produktion, und ein Austritt ist nach der Gründung grundsätzlich nicht vorgesehen (SIG, regroupement dans le cadre de la consommation propre). OIKEN (Wallis) beschreibt den RCPv mit je einem Smart Meter pro Standort und einem virtuellen Messpunkt (oiken.ch/rcpv).

Was alle vier gemeinsam haben: Der Zusammenschluss verzichtet auf die Grundversorgung jedes einzelnen Teilnehmers, und der Netzbetreiber prüft vor der Gründung, ob die Netztopologie das Modell zulässt. Diese Prüfung dauert Wochen, nicht Tage, und gehört deshalb an den Anfang jeder Projektplanung.

Was hat Ampere Dynamic in der Romandie gebaut?

Rund 1’170 kWp auf fünf Standorten im Wallis, in der Waadt und im Jura, alle im Projektregister von Ampere Dynamic.

Der jüngste Standort ist die 110-kWp-Anlage für die Bardusch AG in Sierre VS, 2025 fertiggestellt, nach den Anlagen desselben Kunden in Rheinfelden AG und Brugg AG. Dazu kommen 408 kWp auf einem Möbelhaus in Vétroz VS (2023), 157 kWp für einen Facility-Management-Betrieb in Bussigny VD sowie 302 kWp in Delémont JU und 193 kWp in Chavannes-le-Veyron VD, beide für die enshift AG. Für ein Unternehmen in Domdidier FR liegt eine Machbarkeitsstudie vor.

Die Projekte zeigen, wo die Reibung entsteht: nicht beim Modul, sondern beim Anschlussgesuch, das beim Westschweizer Netzbetreiber auf Französisch mit dessen Formularen eingereicht wird, und bei der Frage, ob der Eigenverbrauch über einen RCP auf weitere Nutzer am Standort ausgedehnt werden kann. Beides plant Ampere Dynamic von Zürich aus mit dem Netzbetreiber vor Ort.

Wann lohnt sich ein RCP an einem Standort in der Romandie?

Unter denselben Bedingungen wie ein ZEV: wenn am Standort mehrere Stromverbraucher hinter einem Anschluss sitzen und die Solaranlage einen spürbaren Teil ihres Bedarfs deckt.

Drei Fragen entscheiden. Erstens die Topologie: Hängen die Verbraucher am selben Netzanschluss (RCP), an derselben Anschlussleitung (RCP virtuel) oder nur in derselben Gemeinde (CEL)? Die Karten von Groupe E und die Anfragen bei Romande Energie, SIG oder OIKEN klären das vor jeder Investition. Zweitens das Verhältnis von Produktion zu Bezug: Die 10-Prozent-Schwelle von Romande Energie und SIG ist bei einer Industriehalle mit 400 kWp und 1’000 kW Anschlussleistung erfüllt, bei einem kleinen Dach über einem grossen Verbraucher nicht. Drittens die Abrechnung: Ein RCP mit Mietern braucht einen représentant und eine Abrechnungslösung, eine CA delegiert beides gegen Gebühr an den Netzbetreiber, was bei wenigen Teilnehmern wirtschaftlicher sein kann.

Für Betriebe, deren Verbraucher auf mehrere Parzellen oder Gemeindeteile verteilt sind, ist seit 2026 die CEL das Modell mit der grössten Reichweite, allerdings mit Netzentgelt auf dem gehandelten Strom, wenn auch reduziert. Welche Konstellation zu welchem Standort passt, zeigt die Lösungsseite ZEV, vZEV und LEG; die Rechtsbegriffe erklären die Glossareinträge zu ZEV, vZEV und LEG.

Häufige Fragen

Was ist ein RCP?

RCP steht für regroupement dans le cadre de la consommation propre und ist der französische Gesetzesbegriff für den Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) nach Art. 17 EnG. Mehrere Grundeigentümer oder Mieter an einem Produktionsstandort nutzen den Solarstrom gemeinsam und treten gegenüber dem Netzbetreiber als ein einziger Endverbraucher auf (Art. 18 EnG). Rechte und Pflichten sind in der ganzen Schweiz gleich.

Was ist der Unterschied zwischen RCP, RCP virtuel, CA und CEL?

RCP ist der ZEV mit privaten Zählern hinter einem Netzanschluss. RCP virtuel (RCPv) ist der vZEV seit 2025, abgerechnet über die Smart Meter des Netzbetreibers an derselben Anschlussleitung. CA, communauté d'autoconsommation, ist das Modell, bei dem der Netzbetreiber Zähler und Abrechnung behält, in der Deutschschweiz als VNB-Praxismodell bekannt. CEL, communauté électrique locale, ist die LEG seit 2026 mit Handel über das öffentliche Netz innerhalb einer Gemeinde.

Wer ist bei einem RCP der Ansprechpartner des Netzbetreibers?

Der Zusammenschluss bestimmt einen représentant, der gegenüber dem gestionnaire de réseau de distribution (GRD) allein auftritt, Änderungen meldet und die interne Abrechnung verantwortet. Groupe E, Romande Energie und SIG verlangen diese Rolle bei der Anmeldung. In Ausschreibungen und Gemeindeunterlagen heisst die Person, die das Projekt vorantreibt, oft porteur oder porteuse de projet, kurz PMO.